Donnerstag, 3. Januar 2019

Instant-Kaffee: Kulinarischer Abgrund oder unterschätzte Alternative?

Instant-Kaffee: Kulinarischer Abgrund oder unterschätzte Alternative?

Instant-Kaffee: Kulinarischer Abgrund oder unterschätzte Alternative? Instant-Kaffee ist für den Kaffee-Gourmet der Inbegriff des Grauens. Doch warum eigentlich? Ist löslicher Kaffee wirklich völlig unvertretbar? Und wer hat ihn überhaupt erfunden, wie wird er hergestellt und wo tatsächlich gern getrunken?

Nicht umsonst ist das bekannteste Synonym für Instant-Kaffee der Markenname ‘Nescafe’.  Genauso hieß nämlich der erste sofort lösliche und kommerziell erfolgreiche Kaffee, den der Nestle-Konzern in den 1938 in Brasilien einführte. Bis heute hat der Nescafé sich weltweit nicht vom Spitzenplatz der fixen Bohnenalternative vertreiben lassen. Laut Nestle werden auf dem Globus sekündlich 3.600 Tassen Nescafé getrunken.

Dabei hat der Schweitzer Mega-Konzern den löslichen Kaffee gar nicht erfunden – patentiert wurde er bereits 1890 vom Neuseeländer David Strang. Ob dabei die Bequemlichkeit der Zubereitung an erster Stelle stand, ist nicht einmal klar. Unter Umständen war die ursprüngliche Idee auch, Kaffee lagerungsfähiger zu machen.

Soziologen betrachten die Erfindung als ein schlüssiges Puzzleteil in einer Nachkriegsentwicklung hin zu schnellen kulinarischen Lösungen wie Fast Food und Drive-In-Diners; Tiefkühlessen und nicht viel später die dazugehörige Mikrowelle; dem heute sogenannten „Convenient Food“, damals im Ursprungsland USA „TV Dinner“ genannt; und der neuen Tendenz, Essen in kleinen Portionen in Plastik zu verpacken.

Zu Anfang gab sich die Kaffee-Industrie noch Mühe, die lösliche Variante als so gut wie Omas traditionell von Hand aufgegossene Tasse zu verkaufen. Doch bald ändert sich der Tenor der Verkaufsstrategien – und der Verweis auf Bequemlichkeit und Einfachheit dominierte.

Auch jeder lösliche Kaffee fängt mal als Bohne an, die geröstet, gemahlen und mit heißem Wasser übergossen wird, bis starker Kaffeeextrakt daraus geworden ist. Weitere Zusatzstoffe sind übrigens nicht gestattet!

Für die Herstellung der Konzernprodukte werden eigentlich nie Kaffees einzelner Hersteller oder Anbauflächen genutzt; damit würden Großproduzenten zu abhängig vom Ertrag und der Preisgestaltung einzelner Anbieter werden. Stattdessen kommen Rohkaffeemischungen, die sogenannten „Blends“, zum Einsatz.

Die Röstung für die Herstellung von löslichem Kaffee fällt verhältnismäßig dunkel aus; der verbleibende Wasseranteil in den Bohnen sollte noch relativ hoch sein. Beim anschließenden Mahlen kommt es auf eine grobe und gleichmäßige Körnung an. Diese verhindert ein Verstopfen der für die anschließende Extraktion genutzten Apparate.

Dieser Extraktions-Vorgang allein ist schon hochtechnisiert. Noch komplexer wird der nächste Schritt, der Trocknungsvorgang. Das ist die Ironie des Instant-Kaffees: Um ihn zu einem umkomplizierten, schnellen Genuss zu machen, ist seine Herstellung ausgesprochen energie- und arbeitsaufwendig.

Dafür werden hinter einander geschaltete Perkolatoren mit gemahlenem Kaffee befüllt und nach Durchlauf vom Kaffeesatz (denn nichts anderes ist extrahiertes Mahlgut) wieder befreit. Dabei befinden sich meist mindestens sechs dieser Extraktionssäulen hintereinandergeschaltet. Frischwasser wird bei 170 bis 190 Grad Celcius und mit bis zu 20 Atmosphären Druck durch das Mahlgut in den Perkolatoren geleitet. Der entstandene, noch heiße Extrakt wird anschließend sofort gekühlt und entweder per Filter oder Zentrifuge gereinigt. Das nicht mehr benötigte Mahlgut wird getrocknet und bestenfalls zur Energiegewinnung verwendet. Auch wenn die Art der Trocknung ebenfalls eine Rolle spielt: Während der Extraktion entscheidet sich, wie aromatisch der Instant-Kaffee hinterher noch ist.

Danach wird dem entstandenen Kaffee-Dünnsaft nochmals Flüssigkeit entzogen, durch Verdampfen im Vakuum oder Gefrierkonzentrierung – einem Verfahren, bei dem Wasser bei unter 0°C in einem komplett geschlossenen System kristallisiert und die Eiskristalle durch Zentrifugieren vom Extrakt abgetrennt werden. Durch diese Vorkonzentration wird das Kaffeearoma besonders schonend erhalten – und die anschließende Trocknung ist weniger kostspielig.

Bei der Sprühtrocknung wird der extrahierte Kaffeedicksaft mit Druck durch Düsen in einem Trockenturm gesprüht und zu Tröpfchen zerstäubt. Diese werden dann mit heißer Luft verwirbelt und im Heißluftstrom getrocknet. Die noch enthaltene Flüssigkeit verdunstet; übrig bleiben winzige Hohlkügelchen aus reinem Kaffee. Diese werden häufig mit Wasserdampf nochmals kurz befeuchtet (agglomeriert), so dass mehrere Kügelchen zusammen haften; das macht den Kaffee später besonders gut löslich. Die Partikel kühlen dann während des Falls ab und werden im unteren Teil des Turmes aufgefangen.

Schonender als die Sprühtrocknung ist die Gefriertrocknung. Dabei wird der flüssige Kaffeeextrakt bei – 40 bis – 50 Grad Celsius tiefgefroren. Das entstandene Kaffeeeis wird in einer Kälteanlage unter Vakuum sehr behutsam wieder erwärmt, so dass das austretende Wasser sofort verdampft und nur trockene Kaffeepartikel zurückbleiben. Dieses Vorgehen ist aufwendiger und teurer, erhält allerdings mehr des ursprünglichen Aromas. Kaffeeliebhaber sollten deshalb immer auf den Hinweis „gefriergetrocknet“ oder „freeze dried“ auf ihrem Instant-Kaffee achten.

Moderne Verfahren haben dafür gesorgt, dass der lösliche Bohnekaffee besonders für Kaffeevollautomaten geeignet sind. Die genaue Dosierung macht hier auch den Geschmack aus. Der Vorteil liegt hier klar auf der Hand. Die Kaffeevollautomaten sind einfach von der Reinigung, HACCP ist einfach einzuhalten. Der Kaffee aus solchen Automaten ist bekömmlich, so dass in vielen Betrieben heute Kaffeevollautomaten mit löslichen Produkten zum Einsatz kommen. Gerade Kaffeespezialitäten lassen sich mit löslichem Bohnenkaffee in Kaffeevollautomaten hervorragend herstellen.


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